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UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen / Luk Muzakowa

Bad Muskau | Bildung / Wissenschaft, Veranstaltungsort

UNESCO Global Geopark Muskauer Faltenbogen / Luk Muzakowa
02953 Bad Muskau
Tel. +49 35600 368712
Fax +49 35600 368769

Geopark Muskauer Faltenbogen
Geschäftsstelle
Dipl.-Geogr. Nancy Sauer
Muskauer Straße 14
03159 Döbern

UNESCO Global Geopark
Der Muskauer Faltenbogen ist eine von 140 Regionen weltwei, die den Status eines UNESCO Global Geoparks verliehen bekommen haben. Dieser Titel wird seit 2015 an herausragende geologische Stätten und Landschaften von internationaler Bedeutung vergeben. Der Muskauer Faltenbogen präsentiert in dem weltweiten Netzwerk die jüngere Erdgeschichte, insbesondere die Eiszeit, sowie seine außergewöhnliche Rohstoff- und Industriegeschichte, die aus der deutsch-polnischen Region eine einzigartige Kulturlandschaft machte. Und in noch einem weiteren Fall ist er außergewöhnlich: er umfasst eine Landschaft, die sich über die Neiße nach Polen und Deutschland hinein erstreckt – und damit ist der Muskauer Faltenbogen / ?uk Mu?akowa einer von lediglich vier transnationalen Geoparken weltweit!
Eine Eiszeitlandschaft
Der Muskauer Faltenbogen gilt als eine der am schönsten ausgeprägten Stauchendmoränen Mitteleuropas. Die markante Hufeisenform entstand vor circa 340.000 Jahren, als aus dem damals halb Europa bedeckenden mächtigen Inlandeisschild der Muskauer Gletscher herausfloss. Die Eislast deformierte den Untergrund bis in eine Tiefe von 300 Meter und faltete die horizontale Schichtenfolge aus Sanden, Kiesen, Tonen und Braunkohle. Im Vorfeld des Gletschers türmten sich die Lockergesteinsmassen zu einer bogenförmigen Endmoräne von circa 300 Metern über Normalnull auf. Das Inlandeis der jüngeren Kaltzeiten ebnete den Wall auf seine heutige Höhe ein. Auffällige Erhebungen finden sich dennoch, beispielsweise der Hohe Berg bei Döbern (183 Meter), die Drachenberge bei Krauschwitz (163 Meter) und eine Erhebung von 180,5 Metern bei Nowe Czaple auf polnischer Seite.
Trotz seiner weit zurückliegenden Entstehung ist der Muskauer Faltenbogen auch heute noch in ständiger Veränderung begriffen. Charakteristisch dafür sind die geologisch jungen Bildungen, die sogenannten Gieser. Diese langgestreckten Täler entstehen dort, wo Braunkohleflöze zutage treten. Das organische Material oxidiert mit dem Luftsauerstoff und sackt dadurch zusammen. Nach und nach schneiden sich die Talgründe so immer tiefer in die Landschaft ein. Sie liegen parallel und ziehen sich meist mehrere hundert Meter, teilweise mehrere Kilometer durchs die gesamte bogenförmige Moräne – daher rührt auch der Name „Faltenbogen“.
Rohstoffnutzung verändert das Landschaftsbild
Die frühzeitige Entdeckung der oberflächennah gelegenen Rohstoffe zog eine schnelle Industrialisierung nach sich. Glassande wurden in großen Fabriken aufgeschmolzen und zu edlem Gebrauchsgut verarbeitet. Anfang des 20. Jahrhunderts lieferten die Fabriken ihre Produkte in alle Welt hinaus. Der kleine Ort Weißwasser/O.L. galt zu diesem Zeitpunkt als Zentrum der weltweiten Glasproduktion! Hochwertige Flaschentone dienten der Herstellung von Ziegeln und Dachziegeln, keramischen Behältern für die chemische Industrie und Tonwaren für den täglichen Bedarf. Raseneisenerze wurden im großen Umfang verhüttet und in Formen gegossen. Alauntone und -erden stillten den Bedarf der chemischen Industrie. Hinter all den energieaufwändigen Produktionen stand der Abbau der Braunkohle im Tage- und Tiefbau. Ab 1843 waren über 60 Gruben aktiv. Erst mit der Eröffnung der großen Lausitzer Tagebaue verlor der Muskauer Faltenbogen als Rohstofflieferant an Bedeutung.
Relikte aus dieser Zeit sind allgegenwärtig. Besonders beeindruckend sind die Seen, die sich dicht an dicht über hunderte von Metern erstrecken und in allen Farben schimmern. Viele ehemalige Gruben konnten sich über Jahrzehnte ungestört entwickeln. Heute ist der Muskauer Faltenbogen eine beeindruckende Kultur- und Altbergbaulandschaft voller mannigfaltiger Gewässer und ein waldreicher Naturraum mit bedeutender ökologischer Vielfalt.
Geopark erleben
Die Besucher- und Infozentren im UNESCO Geopark informieren über die Bedeutung der geologischen Vorgänge für die Entwicklung der Region und über die rund 1.000 Jahre währende standort- und rohstoffgebundene Handwerk- und Industriegeschichte. Auf verschiedenen Radrouten und Geopfaden stehen nicht nur geologische Themen im Mittelpunkt, sondern auch die Geschichte der weltbekannten Glasproduktion, des Braunkohlebergbaus unter und über Tage oder die sukzessive Rückeroberung ganzer Lebensräume durch die Natur. Auch per Bahn läßt sich die Kulturlandschaft entdecken: zwei liebevoll restaurierte Industriebahnen in Weißwasser/O.L. und Klein Kölzig verbinden touristische Ziele im Faltenbogen. Sie sind untrennbar verknüpft mit der hiesigen Rohstoffgeschichte.
Charakteristisch für die Städte und Dörfer ist das architektonische Siedlungsbild, das von der Verwendung vor allem gelber Ziegel geprägt ist. Industriekulturelle Bauten im Herzen der Städte und Dörfer verkünden die Aufbruchsstimmung zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Region ein Impulsgeber in der gesamten Lausitz war. Namhafte Architekten und Designer wie Neufert oder Wagenfeldt wirkten in Weißwasser/O.L. und Umgebung.
Heute sind allerorten noch Spuren dieser einstigen Boom-Region zu finden. So atmen noch heute Glashütten die Geschichte der in den Städten und Dörfern fest verankerten Glasherstellung und der dort lebenden Menschen. Töpfereien bieten einen Einblick in dieses jahrhundertealte Gewerk und traditionelle Herstellungstechniken. Und nicht zuletzt spiegelt die gesamte Region die Lebens- und Wirtschaftsweise der slawischen Minderheit der Sorben in Deutschland, die die Lausitz seit gut tausend Jahren bevölkern. Das Freilichtmuseum im Dorf Buczyny oder das Sorbische Kulturzentrum in Schleife legen davon Zeugnis ab.
Ihre eigene Geschichte erzählen auch die zahlreichen Landschaftsparke im Muskauer Faltenbogen. Ob Englische Gärten und Parklandschaften, Parke voller Azaleen und Rhododendron, geheimnisvolle Gutsparke oder neu geschaffene Findlingsgärten auf Rekultivierungsflächen - auch hier läßt sich eine Reise durch Jahrhunderte unternehmen!
Geotope sind Fenster in die Erdgeschichte, die dem Besucher von früheren Erdzeitaltern, geologischen Ereignissen und dem Leben auf der Erde erzählen. Im Muskauer Faltenbogen sind vor allem Zeugen der jüngeren Erdgeschichte allerorten anzutreffen. Durch die ursprüngliche nacheiszeitliche Landschaft führt beispielweise der Geotouristische Pfad „Drachenberge“. Charakteristisch sind hier die Gieser mit Höhenunterschieden von bis zu 20m. Zahlreiche kleinere und größere Gerölle säumen den Pfad - typisch sind u.a. Feuersteine, Quarzkiesel und nordische Geschiebe. Besonders beeindruckende Größen können letztere erreichen - bspw. der Teufelsstein bei Kamienica oder der Finkenstein bei Reuthen. Im Hinterland des Faltenbogen prägen Sölle und geschiebereiche Äcker das Bild. Der Reichtum an solchen Gesteinen zeigt sich an den aus ihnen errichteten Mauern, Kirchen und Scheunen. Sehenswert sind die Kirchen in Preschen und Niwica oder die Bergsche Kirchruine in Bad Muskau. Beachtlich sind die Quellen im Faltenbogen - neben kalten Eisen-Sulfat-Quellen (Große Babina-Quelle) gibt es zahlreiche Sicker- und Hangquellen wie bspw. die Grenzerquelle im Neißetal. Auch zahlreiche künstliche - also durch Menschenhand geschaffene - Geotope sind im gesamten Faltenbogen zu finden. Dazu zählen die bunten Bergbaufolgegewässer - rund 400 im gesamten Faltenbogengebiet. Auf dem geotouristischen Pfad „Alte Grube Babina“ bei Leknica präsentiert sich solch eine Bergbaufolgelandschaft mit fantasievollen Erosionsformen, bunten Seen und Relikten des Bergbaus.
REGIONALE PRODUKTE UND ANBIETER
Unsere Geopark-Partner sind Ihre Gastgeber! Sie haben sich auf die Fahnen geschrieben, Ihren Urlaub im Geopark Muskauer Faltenbogen zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Sie sind mit den Besonderheiten unserer Kulturlandschaft und Altbergbauregion vertraut und halten Ihren Wünschen entsprechend spezielle Tipps für Sie bereit. Die Region bietet eine große Vielfalt an kulinarischen Highlights aus der polnischen und deutschen Lausitz. Ebenso groß ist das Angebot an handwerklichen Erzeugnissen: Glas- und Töpferwaren sind typische Mitbringsel!
ZERTIFIZIERTE GEOPARKFÜHRER
Für lehrreiche Führungen stehen Zertifizierte Geoparkführer (ZNL) bereit. Ob Sie dabei eher Wert auf eine Tour zum Anfassen, für Kinder oder auf ausführliche geologische Erläuterungen legen, den Geopark zu Fuß oder per Rad erkunden, aktives Tagebaugeschehen mit der Kulturlandschaftsgeschichte koppeln oder die malerisch in die bewegte Oberfläche des Faltenbogens eingebetteten Parks und Gärten der Region kennenlernen möchten: für Jeden ist etwas dabei!


Blick auf Afryca
© 2014 / Muskauer Faltenbogen
Alte Mine in Babina Polen
© 2019 / UGGMA