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Do | 27.02.2020

Ausstellung: entKOMMEN. Das Dreiländereck zwischen Vertreibung, Flucht und Ankunft

Zittau | Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster | Ausstellung, Geschichte

Die Folgen von Flucht und Vertreibung prägten unsere Region seit der Frühen Neuzeit bis zum heutigen Tag in besonderer Weise. Stets stellten sie die Gesellschaft vor Herausforderungen. Der Blick auf die Ankommenden – egal welcher Nationalität, Religion oder räumlichen Distanz zum Herkunftsort – war dabei nie nur positiv oder nur negativ, dafür immer geprägt von dem Gefühl einer Ausnahmesituation.

Die Ausstellung nähert sich verschiedenen Aspekten dieser Thematik und betrachtet drei Zeiträume, die für die Stadt Zittau, ihre Umgebung und die polnischen Nachbargebiete bedeutsam waren, genauer.

Im 17. Jahrhundert kamen protestantische böhmische Glaubensflüchtlinge in die Region. Ihre Integration verlief im Schatten des Dreißigjährigen Krieges nicht reibungslos, doch erwies sich ihr Zuzug auf lange Sicht als vorteilhaft. Sie brachten neues Wissen mit, das eine Grundlage für den kulturellen Aufschwung der Stadt Zittau und ihres Umlandes bildete.

Die Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg führte zu millionenfachen Vertreibungen. Die Ausstellung zeigt, welche Erfahrungen die Menschen hierbei im „Zittauer Zipfel“ machten. 1945 wurden die deutschen BewohnerInnen dieses Gebietes ausgewiesen. Gleichzeitig siedelten sich neue BewohnerInnen an, die aus den polnischen Ostgebieten ausgewiesen worden waren, darunter auch viele Deportierte und Zwangsarbeitende. In der Ausstellung zeugen Exponate, die mitgebracht, aber auch vorgefunden wurden, von dieser Zeit.

Heute ist die Oberlausitz wieder Zufluchtsort von Menschen, die vor Kriegen, staatlicher Willkür oder Verfolgung fliehen. Die Ankommenden aus Syrien, der Ukraine oder Afghanistan kommen heute in eine Gesellschaft, in der nicht nur verständnisvolle und kritische Stimmen laut sind. Auch mit menschenverachtenden Parolen müssen sie umgehen. Darf heute ein Wahlplakat verkünden, dass „Migration tötet“? Lässt sich eine Abschiebung nach Venezuela per WhatsApp verhindern? Das sind nur zwei Fragen, die mit Exponaten in „entKOMMEN“ unterlegt sind.

Die Ausstellung will Anstöße geben, gefestigte Bilder zu hinterfragen. Individuelle Stimmen werden hörbar, Gesichter hinter Schicksalen sichtbar. Ein historisch-vergleichender Ansatz will Erfahrungen in Beziehung bringen ohne Schicksale gleichzusetzen. Die Ausstellung ist zweisprachig, auch viele Exponate kommen aus Polen und Deutschland.
In drei Themenräumen werden verschiedene Aspekte von Fluchterfahrungen gezeigt – das GEHEN MÜSSEN, das ERINNERN WOLLEN und das ANKOMMEN KÖNNEN. Der Ausstellungsraum selbst, der Heffterbau im ehemaligen Franziskanerkloster, zeugt bereits vom Gehen und Ankommen. Er war einst Ort der Religionsausübung der böhmischen Glaubensflüchtlinge. In der Ausstellung wird gezeigt, was die ExulantInnen mitbrachten, z.B. die Technik der Fayence-Herstellung und wertvolle philosophische und religiöse Handschriften.

In dem Gesamtprojekt entKOMMEN haben sich über die Sonderausstellung hinaus mehrere Künstlerinnen und Künstler mit der Thematik Flucht und Vertreibung auseinandergesetzt. Einige Werke werden in der Ausstellung zu sehen bzw. zu hören sein, so z.B. eine Soundinstallation sowie Foto- und Videoarbeiten. Im Mai wird zudem eine Kunstaktion im öffentlichen Raum stattfinden, die die Themen der Ausstellung in die Stadtgesellschaft tragen und zum Dialog einladen wird.

Ein umfangreiches Begleitprogramm aus Führungen auf Deutsch und Polnisch, Vorträgen, Filmen, Lesungen, Rundgängen, Gesprächsrunden, Workshops sowie Angeboten für Schulklassen ergänzt die Ausstellung.

Partner des Projekts:

- Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau
- Museum Dittelsdorf
- Freiraum Zittau e.V.
- Deutsches Rotes Kreuz – Kreisverband Zittau e.V.
- Christian-Weise-Gymnasium Zittau
- Christian-Weise-Bibliothek Zittau
- Volkshochschule Dreiländereck
- Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft mbH
- Bractwo ziemi bogatyńskiej (Bruderschaft des Bogatynia-Landes)
- Koło Związku Sybiraków (Verband der Sibirier, Bogatynia)
- Szkolne Muzeum Regionalne w Działoszynie (Regionales Schulmuseum
Działoszyn)
- Wydział Współpracy z Zagranicą i Promocji Urzędu Miasta i Gminy Bogatyni (Abteilung für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Stadtmarketing, Bogatynia)

Gefördert im Fonds Stadtgefährten der Kulturstiftung des Bundes

Veranstalter Kulturhistorisches Museum Franziskanerkloster
entKOMMEN © 2020

Klosterstraße 3
02763 Zittau

Tel. +49 3583 554790

Fax +49 3583 55479210


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